mit leichtem Zittern nach vorn
Es gibt Lebensphasen, in denen der Blick durch besondere Ereignisse ganz automatisch länger zurückwandert als sonst. Nicht aus Nostalgie allein – eher, weil man plötzlich Muster erkennt: Wege, Abzweigungen, Begegnungen. Manche Erinnerungen leuchten warm, andere tragen Kanten. Und doch fühlt es sich an, als würde genau dieses Zurückschauen leise Ordnung schaffen: als könnte man besser verstehen, wer man geworden ist.
Gleichzeitig liegt da dieses merkwürdige Gefühl, wenn der Blick nach vorn geht. Nicht nur Spannung, nicht nur Neugier – sondern auch ein kleines Zögern. Vielleicht sogar Angst. Zu viel wirkt gerade gleichzeitig unsicher: zu viele Unruhen, zu viele Schlagzeilen, zu viele Gründe, warum Hoffnung manchmal Angst ist. Und trotzdem: Aufgeben ist keine Option. Man steht dazwischen – zwischen dem, was war, und dem, was kommt!
In solchen Momenten hilft mir Musik. „Idiot Prayer“ von Nick Cave ist für mich genau so ein Stück: reduziert, ehrlich, wie ein stilles Gespräch mit sich selbst. Kein Lärm, keine Pose – eher ein Raum, in dem man kurz atmen kann.
Dazu passt dieses Winterfoto, das ich in den letzten Jahren aufgenommen habe: ein weiter, kalter Morgen, ein großer Baum als dunkle Silhouette, der Himmel dramatisch und doch wunderschön. Vorne im Gras ein kleiner Begleiter (Rika) – als Erinnerung daran, dass selbst in großen, unübersichtlichen Zeiten das Nahe zählt: ein Schritt nach dem anderen, ein Blick, ein Moment Licht.
Vielleicht ist das gerade die Aufgabe dieser Phase: das Vergangene würdigen, ohne darin zu wohnen – und nach vorn gehen, obwohl Furcht mitläuft. Nicht heldenhaft. Einfach menschlich.










